Herbert Pirker

Schriftsteller

Ich über mich

Ich

bin – nach langem schwerem Leiden – Autor und Publizist (so heißt das, ich kann nix dafür) geworden.

Die Leidenszeit? Fron-Arbeitnehmer. Zuletzt Werbeleiter im Österreichischen Bundesverlag, bis ein Direktor kam, dem ich beibringen mußte, daß das Schwarze in den Büchern die Buchstaben sind. Er ist aus der Politik gekommen. Seine beste Idee war: er hat mich rausgeschmissen. Seither: s.o.

Ich

habe geschrieben. Hörspiele. Fernsehspiele. Glossen. Feuilletons. Unterhaltungssendungen. Sogar Schulfunksendungen. Alles für den ORF.

Und Feuilletons, besonders stolz bin ich auf die in Jörg Mauthes „Wiener Journal“.

Jahre nach seinem Tod ist das Wiener Journal eingestellt worden. Das heißt: nein, es gibt es immer noch, aber es heißt nur so. Heruntergekommen zu einer Zeitungsbeilage.

(Sie wissen, es gibt ja vieles, das nur so heißt, wo aber nix dahinter ist. Kennen Sie übrigens den: Geht der Spindel… Nein. Ich erzähl‘ doch da keine Witze).

Ich

habe aber auch für andere Print-(ich kann nix dafür, so heißt das)-Medien geschrieben. Ich zähl’ sie auf: Neue Illustrierte Wochenschau. Neues Österreich (daran erkennen Sie, was für ein Grufti ich schon bin). Samstag. Die Furche (die hab ich einmal bei einem Zeitungsstandl verlangt, und der Kiosk-Mann hat sie unter den Sex-Blättern gesucht, warum eigentlich?). Die Presse. Die ganze Woche. täglich Alles. Kronen Zeitung (ja, die heißt so. Ohne Bindestrich.)

Ich

muß Ihnen ja doch etwas erzählen. Apropos Krone. Der Hans Dichand war ein feiner Kerl. Immer mit Krawatte. Als er mich für eine tägliche Kolumne engagiert hat, hab ich ihn gefragt, ob’s „Heilige“ gibt. Sie wissen, was ich meine. Unangreifbare. Nein, hat er gesagt. Und wirklich, ich hab geschrieben, was ich wollte, mir hat niemand dreingeredet. Bis ich eines Tages, da war er noch Finanzminister, über den KHG hergezogen bin. Ha – er war ein Heiliger! Gut, ich hab nichts mehr gegen ihn geschrieben. Aber auch nix für ihn. Was „der Alte“ – so nannte man Dichand intern – heutzutage über seinen Heiligen sagen würde?

Weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß ich nach zwölf Jahren täglicher Kolumne einen Brief vom Alten bekommen habe. Da drin stand, daß es ihm ein Anliegen sei, mir mitzuteilen, was ich für ein wertvoller Mitarbeiter sei und daß er auf eine noch lange Zusammenarbeit mit mir hoffe.

Sie können sich denken, daß mich das gefreut hat. Einfach ohne aktuellen Grund so ein Brief! Auf Büttenpapier!

Sieben Wochen später erhielt ich in der Früh ein Fax vom Alten. Er müsse mir mitteilen, daß ich ab sofort nicht mehr für die Krone schreiben möge. Die Krise …

Meine Gage war ein Lercherlschaas. Ich war entsprechend baff. Aber ich schied aus dem Blatt – und Sie sehen ja, es gibt sie noch, die Krone: Ich habe sie durch den Wegfall meines Honorars finanziell gerettet.

Schon wieder ein Grund zum Stolzsein.

Ich

schreibe viel im Dialekt. Das hab ich auch für den Herrn Dichand gemacht, dort hat es sich sogar gereimt. Den Dialekt halte ich für ungeheuerlich wichtig. Man kann in ihm viel mehr viel besser ausdrücken als in der Hochsprache.

Wie würden Sie etwa „hoppadatschig“ ins „Deutsche“ übersetzen? Oder „Trutscherl“? Oder „Hawedeare“? Oder „Bierdippler“? Oder „dramhappad“?

Ich

kann aber auch Hochdeutsch. Sogar sehr gut. Der Hans Weigel (dieser anbetungswürdige Mann – Schriftsteller, Übersetzer, Dramatiker, Kritiker, Sendungsmacher etc. – ist heutzutage fast nicht mehr bekannt) hat meine innige Beziehung zur Sprache sehr gelobt. Das muß ich hier anbringen. Solche Leut’ wie den Hans Weigel gibt’s nämlich leider nicht mehr. Wie ja überhaupt die Blödheit heutzutage – aber ich will da ja nicht philosophieren.

Also ich kann Deutsch. Das hindert mich am Zeitungslesen und am Radiohören.

Ich

komme zur Sache.

Ich hab bis jetzt neun Bücher geschrieben. Die Liste sehen Sie gleich.

Und ich trage aus diesen Büchern vor, das heißt: ich lese daraus. Es ist meistens eine Gaude, obwohl auch viel Ernstes drinsteht. Aber die Hetz’ überwiegt.

Drum hat auch der Richard Eybner schon einige Gedichte von mir gelesen. Und der Heinrich Schweiger. Und der Erich Auer. Und die Inge Konradi. Und der Heinz Holecek und der Karlheinz Hackl. Der Honzo also und der Karli. Das Losweinen ist nicht weit, wenn ich die zwei Namen ausspreche…

Und es lesen mich noch heute die Elfriede Ott, die Gabi Schuchter, die Lotte Ledl, der Teddy Podgorski, der Michael Heltau, der Adi Hirschal, der Roland Knie, der Franz Suhrada, der Gerhard Ernst – und ich trete oft gemeinsam mit ihnen auf.

Solche Abende sollte man sich nicht entgehen lassen.

Meistens spielen die Malat-Schrammeln dazu. Ein Spitzen-Ensemble. Auch der Roland Smetana mit seinem Ensemble, mitunter sogar die Philharmonia-Schrammeln.